In den letzten Jahren stelle ich immer wieder eine fürchterliche Tendenz fest: Ich werde bürgerlich-konservativ. Nicht dieses gartenzwerg-hinterm-zaun-kleinbürger-konservativ, eher ein ruhig-bedächtig-keine-revolution-bitte-konservativ. Nichtsdestotrotz habe ich immer wieder Momente, in denen sich mein größtes Angstszenario aus dem Unterbewusstsein emporsteigt: In zehn Jahren möglicherweise CDU/CSU zu wählen, und es den nachfolgenden Generationen nicht einmal mit Altersdemenz begründen zu können.
Heute früh hatte ich wieder so ein Moment. Ein Flyer für eine Demo. Natürlich Web 2.0-like per MySpace-Bulletin.
In Chemnitz tobt kein Generationskonflikt mehr; er ist entschieden. Die Statistik ist eindeutig: Die Generation 50+ umfasst 115.425 Menschen – dem stehen gerade mal 47.460 junge Menschen im weitesten Sinne (10 – 29 Jahre) gegenüber.
Nun nörgeln die Alten schon seit Anbeginn der Zivilisation und sehen schon den Untergang der selbigen, wenn sie einen Blick auf die Jugend werfen. Früher wurde das Problem öfters mal dadurch entschärft, dass die Jugend in irgendeinen Krieg geschickt wurde, und sie als alte Männer zurückkamen. In vielen Großstädten hat sich das Problem dadurch „gelöst“, dass es „junge“ beziehungsweise Studenten-Viertel gibt, wodurch eine gewisse Separation von Jung und Alt gewährleistet ist.
Nicht so in Chemnitz. Ein Studentenviertel gibt es nicht in Chemnitz trotz elftausend Studenten. Ein alternativ angehauchtes Viertel Marke „Kreuzberg“? Fehlanzeige. Es gibt faktisch keinen Platz für Jugendliche, an denen sie eben keine Rücksicht nehmen müssen. Pädagogisch-eingebundene Jugendclubs sind kein Ersatz dafür.
Das Problem ist nun, dass sich Jugendliche diese Räume aber trotzdem suchen. Und dabei nicht unbedingt dort landen, wo es Stadtplaner, Politiker und Technokraten recht ist.
Es gab in den letzten Jahren durchaus Initiativen Räume zu schaffen – nur mit dem Fehler dass sie „geplant“ wurden. Deutlich wird dies am Skatepark im Konkordia-Park unweit des Schlossteiches. Gegen die Anlage ist nichts zu sagen. Aber hat auch jemand daran gedacht, dass Jugendliche zur Cliquen-Bildung neigen, inklusive Abgrenzung zu anderen Gruppen? Daran gedacht, dass ein zentraler Platz in der Stadtmitte zu weit für Jugendliche in den Randgebieten ist? Offensichtlich nicht.
Nachdem dem man in der Stadtverwaltung gemerkt hat, dass der Plan mit dem Zuckerbrot nicht aufgegangen ist, versucht man es jetzt mit der Peitsche. Eine neue Polizeiverordnung muss her, um herumlungerndes Jungvolk in den Griff zu bekommen. Sie unterscheidet sich nicht wesentlich von dem, was in vielen anderen Städten bereits zu finden. Auch die Chemnitzer Polizeiverordnung stellt den Menschen unter Generalverdacht, sobald er sich im öffentlichen Raum bewegt und dabei nicht einfach nur von A nach B will. Sie will ein korrektes Verhalten erzwingen.
Aber zurück zum Flyer:

Ja, es gibt Momente, in denen ich die CDU wählen könnte.