So halb gerade eben ist designenlassen.de an den Start gegangen. Was zuerst klingt nach einem Wortwitz Marke "Lasse Rinström" oder "Lasmiranda Densiwillja", ist eine Vermittlungsplattform für kleine Gestaltungsaufgaben.
Die Sache ist schnell erklärt: Ein Auftraggeber stellt einen Auftrag ein, zum Beispiel möchte er ein neues Logo, schildert seine eigene Gedanken dazu und benennt schließlich einen Festpreis und die Dauer der Ausschreibung. Der Designer findet die Ausschreibung, macht seinen Entwurf, lädt ihn hoch und hofft zu gewinnen. Der Auftraggeber schaut sich nun die eingetroffenen Entwürfe an, wählt einen aus, diskutiert mit dem Gewinner womöglich noch ein paar Details und überweist schließlich den Festpreis auf das Konto des Glücklichen.
Nun ist das Problem an der Sache: Da draußen gibt es mittlerweile so viele selbsternannte Grafikdesigner wie selbsternannte Fußball-Experten zur WM 08. Ihre Qualifikation besteht häufig darin, die illegale Kopie von Photoshop erfolgreich aus dem Netz gezogen zu haben und das Auswahl- vom Pinselwerkzeug unterscheiden zu können.
Andererseits trifft das auch auf so manche lokale Werbeagentur zu, die sich vom diesen Typ nur in sofern unterscheidet, dass sie von Bank Kredite für den Schneidplotter und A3-Drucker bekommen haben.
Im Zweifel bekommt der Handwerker oder Freiberufler in Wanne-Eickel oder Kuhschnappel also eine genauso miese gestalterische Leistung über designenlassen.de wie bei einer lokalen Agentur, nur preiswerter.
Nun bezweifle ich aber nicht im Geringsten, das die Plattform durchaus eine gute Idee ist, und für eine bestimmte Klientel sinnvoll ist. Deswegen lohnen sich ein paar kritsche Gedanken zur Nutzung durchaus.
Pro - Für den Auftraggeber
Globalisierung im Kleinen - einen Entwurf mit klassischen Mitteln deutschlandweit auszuschreiben, ist für eine Selbstständigen oder kleinen Mittelständler faktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Hier eröffnet sich die Möglichkeit mit einfachen Mitteln das zu erreichen.
Der kalkulierbare Festpreis kommt dieser Gruppe auch entgegen und erlaubt eine gute Kalkulation. Da die Preise aller Ausschreibungen öffentlich sind, kann man ein Preisgefühl entwickeln.
Contra - Für den Auftraggeber
Wird die Plattform auch nur mittelmäßig erfolgreich, dann müssen Sie damit rechnen, mit möglicherweise hundert grottenschlechten Entwürfen konfrontiert zu werden. Das kostet Zeit und Nerven.
Der Auftraggeber sollte ein gewisses Basis an Gestaltungswissen mitbringen, um gut zu entscheiden. Ein Logo muss auf sämtlichen Medien gut aussehen, nicht nur auf dem Monitor. In einer guten Agentur wird das vorher getestet - hier muss man das selbst übernehmen.
Das Vertrauen in den Designer und auf seine Verlässlichkeit kann vorher kaum eingeschätzt werden - wird er auf Feedback reagieren? Wie wird er mit mir und meinen Detaileinschätzungen umgehen?
Pro - Für den Graphikdesigner
Unheimlich einfache Kundengewinnung: Briefing durchlesen, an die Arbeit machen und persönliches Glücksbringungsritual durchführen, alternativ kann Talent und die Beherrschung des Handwerkszeug natürlich auch helfen.
Gerade für den angehenden Graphikdesigner ist die Plattform natürlich ideal um breite Referenzen zu sammeln. Hier liegt das wertvollste Potenzial von designenlassen.de. Musste man bislang meist in eine Großstadt ziehen, wenn man durch Mundproganda und Beziehungen erste Aufträge sammeln wollte bzw. musste, kann man jetzt weiter in Kuhschnappel bleiben (so man denn will).
Contra - Für den Graphikdesigner
Die Plattform kann sich natürlich schnell als Preisdrücker herausstellen. Insbesondere dürften Nebenbei-Grafiker und Studenten einen eher niedrigen Stundensatz ansetzen und vor allem ignorieren, dass die nachträgliche Kommunikation und Detailänderungen auch Zeit kosten und in den Festpreis einzurechnen sind.
Erstellt ein Chemnitzer einen Flyer-Entwurf für eine Chemnitzer Party, wird abgelehnt und bei der nächsten Party in Chemnitz taucht der Flyer trotzdem genauso auf, dann gibt's sicherlich Ärger für den Auftraggeber. Wird der Flyer hingegen in München erstellt und ist für eine Veranstaltung in Hamburg, dann hat der Müncher kaum eine Chance, herauszufinden ob man seinen Entwurf nicht doch verwendet. Gerade weil die Ausschreibung und die Einreichungen vollkommen öffentlich ablaufen, besteht ein enormes Potenzial, dass Ideen geklaut werden.
Fazit
Dass sind nur ein paar Stichpunkte. Die Entscheidung muss nun jeder selbst treffen.
Zum Schluß noch handwerkliche Anmerkungen zur Gestaltung der Webseite von designenlassen.de selbst: Das Links nicht von normalem Text zu unterscheiden sind, ist ein absolutes No-Go! Außerdem, warum kann ich mir die Schritte, die zum Start einer Ausschreibung notwendig sind, nicht anschauen, bevor ich mich registriere?
Und denkt noch mal kurz über den Namen nach. Bitte! Internationalisierung muss man nicht anstreben, sollte man aber in der heutigen Zeit als Option trotzdem offen halten.
