Eine schöne Anekdote hörte ich heute im Radio: Der Sohn eines Deutschlandradio-Redakteurs schrieb sich in die Newsletter-Liste für Obama-Unterstützer ein, während Obama in Berlin weilte. Am Ende des Wahltages schließlich, kurz bevor Obama zur seiner Siegesrede antrat, erhielt der Sohn eine Email. Die Email lautet sinngemäß "Hallo, hier ist Obama, ich muss gleich meine Rede halten. Aber ich wollte dir vorher noch schnell danken, denn deine Stimme war die Entscheidende".
Es handelte sich um ein Massenmailing, keine Frage. Sie war für den Empfänger etwas witzlos, weil Deutsche bei dieser Wahl nicht abstimmen konnten. Aber über etwas anderes sollte man sich Gedanken machen: Diese Email funktioniert nur mit genauem Timing. Und wann das Timing richtig ist, darüber konnte man nur Mutmaßungen anstellen. Dass der Gewinn der Wahl um 23 Uhr klar sein würde, dafür gab es keine Garantien. Die Zeitdauer, in welcher die Emails verschickt werden konnten, liess sich auch nur in Grenzen steuern - es ist nur bedingt vorstellbar, dass der Beginn der Rede wegen der Emails verzögert werden kann. Letztlich betrug das Zeitfenster ca. 45 Minuten.
Überlegen wir kurz, wieviele Email-Adressen sich auf der Liste befinden. Laut Eigenaussage von my.barackobama.com haben sich über eine Millionen Unterstützer einen Account zugelegt. Die Zahl von Anmeldungen auf der Newsletter-Liste dürfte nochmal deutlich höher sein. Ich kann mich daran erinnern, dass in einem der zahlreichen Spiegel.de-Artikel zur Wahl einmal eine Zahl von 3 Millionen Email-Adresse genannt wurde.
Nehmen wir die Zahl von 3 Millionen. Gehen wir davon aus, dass diese Email an 3 Millionen Empfänger ging - rausgejagt in 45 Minuten. Sind rund 67.000 in einer Minute, rund 1.100 pro Sekunde! Mit einer entsprechenden Serverfarm und der Nutzung mehrere verteilter Rechenzentren ist das an sich keine Hexerei, wenn doch unheimlich beeindruckend. Aber da sind auf der anderen Seite auch noch die Spam-Filter der Provider. Und normalerweise würde diese bei einer solchen Mailflut wohl sofort Alarm schlagen. Haben sie aber anscheinend nicht. Das IT-Team von Obama scheint nicht nur in rein technischer Hinsicht richtig gute Arbeit geleistet zu haben.
